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Naturschutzgebiet Steinbühl

Vom Steinbruch zum wertvollen Lebensraum

Schillerfalter

Gelbbauchunke - Foto: Uwe Schmidt

Das Gebiet ist einzigartig in seiner Vielgestaltigkeit: Wald, Abbruch­kanten, Geröllhalden, Quellbäche und Stillgewässer wechseln sich mit kahlen Flächen ab, auf denen sich im Laufe der Zeit erst wieder Pionierpflanzen ansiedeln und so den Boden für weitere Vegetation bereiten.

Durch die fortschreitende Verbuschung verlor das Gebiet diese Vielfalt und damit seine ökologische Bedeutung. In den zugewachsenen Wasserstellen konnten sich z.B. die Gelbbauchunken nicht mehr vermehren.

Mit der besonderen Beweidungsform halboffene Weidelandschaft wird diese Entwicklung um­gekehrt. 51 ha (entspricht 67 Fußballfeldern) wurden mit einem 3,3 km langen Zaun umgeben. Hier gestalten nun die Rückzüchtungen von Auerochsen und Wildpferden seit Mai 2007 die Landschaft.


Halboffene Weidelandschaft

Bei der halboffenen Weidelandschaft werden die Auerochsen und Wildpferde nicht als lebende Rasen­mäher eingesetzt, die ihre Weiden vom Aufwuchs frei halten sollen (statischer Ansatz). Die Tiere werden vielmehr als natürlicher Bestandteil des Ökosystems angesehen, das sie dynamisch gestalten.

Damit die Tiere ganz­jährig ohne Zufüt­terung auskommen, wird ihre Zahl so niedrig gehalten, dass im Sommer nicht alles gefressen wird. Das überständige Gras dient im Winter ebenso als Nahrung wie Hecken, Eicheln, Schilf.

Die Monate November bis März sind für die Strukturierung der Landschaft besonders wichtig, weil dann eben auch Sträucher, wie Brombeeren, Ginster und die Baumtriebe von Birken, Pappeln, Salweiden, Robinien gefressen werden, die ansonsten das Gelände zuwuchern. Wegen der geringen Dichte von einem Tier pro 2 ha Fläche wird nie alles kahl gefressen.



  • Schafstelze - Foto: Frank Derer

  • Koniks - Foto: Frank Derer

  • Große Mausohren - Foto: NABU/Christian Stein

  • Wechselkröte - Foto: Mike Jessat

  • Echse zwischen Steinchen und Gräsern

    Zauneidechse - Foto: Dr. Kuno Brehm

Naturschutz durch Nutzung

Langfristig entsteht eine savannen­artige Landschaft, ein kleinräumiges Mosaik aus einzelnen Bäumen, Büschen, Hochstaudenfluren, offenem Boden, Röhrichten und kurzem Weiderasen. Hier finden Tiere und Pflanzen ihre Heimat, die Licht und Wärme brauchen.

Auch auf andere Weise sorgen die großen Pflanzen­fresser für Artenreichtum. 25 Tiere produzieren pro Tag eine Tonne Kot, der ganzjährig verfügbar ist und in dem viele Käferarten leben, die wiederum Nahrung für andere Arten, z.B. seltene Fledermäuse, wie dem Mausohr, darstellen.

Auerochsen und Wildpferde führen ein selbstbestimmtes Leben, entscheiden selbst, wo sie sich aufhalten, was sie fressen und wann sie sich fortpflanzen.

Dieser strategische Naturschutzansatz bewirkt nicht nur eine enorme Steigerung der Artenvielfalt – er ist auch eine absolut naturverträgliche Nutzung. Hier kommt weder Kraftfutter zum Einsatz noch werden die Lebensräume durch Kunstdünger beeinträchtigt.

Und wenn die maximale Besatzdichte erreicht ist, freuen wir uns schon auf den Genuss von hochwertigem Fleisch, bedingt durch die gesunde und natürliche Lebensweise.


Wir sind auch schon da

Die Verbuschung im NSG Steinbühl wurde bereits stark zurückgedrängt, es ist ein abwechslungsreiches Mosaik von Büschen und offenen Bereichen entstanden – es gibt also Platz und Nahrung für neue Arten:

Die Schafstelze hat sich als seltene Vogelart schon eingefunden, mehrere Brutpaare des Neuntöters, ein Uhupaar und Rebhühner lassen die Herzen der Vogel­freunde höher schlagen, die bereits Nistmöglichkeiten für den Wiedehopf und Steinschmätzer bereit gestellt haben und auf baldige Annahme hoffen. Gesichtet wurde auch der Waldwasserläufer, ein seltener Durchzügler!

In den Tümpeln haben sich die Gelbbauch­unken wieder stark vermehrt, Geburtshelfer-, Wechsel-, Erdkröten, Zauneidechsen und Ringelnattern fühlen sich an den sonnigen Stellen wohl.


Neue Wasserstellen sind durch Bodenverdichtungen entstanden, zu­gewachsene Wasserstellen wurden durch die Tiere wieder freigestellt - ein idealer Lebensraum für Libellen: Der Südliche Blaupfeil ist als neue Art aus dem Mittelmeerraum eingewandert und schwirrt nun neben der Feuerlibelle, Südlichen Heidelibelle und vielen weiteren Arten durchs Gelände.


Anfahrtsbeschreibung

  • A 63, Abfahrt Kirchheimbolanden
  • Richtung Kirchheimbolanden an der 1. Ampel (gegenüber Tankstelle) rechts
  • nach ca. 800 m im Kreisel Richtung Rockenhausen
  • nach ca. 2 km rechts Richtung Orbis (gegenüber Landcafé Kornblume)


Naturschutzgebiet Steinbühl auf einer größeren Karte anzeigen

KONTAKT

NABU Rheinland-Pfalz
Frauenlobstraße 15-19
55118 Mainz
Tel.: 06131 / 140 39-0

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67292 Kirchheimbolanden
Tel.:0174 / 370 41 14

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